Theorie > Bedeutung des Zuhörens in der Schulpraxis

 

Die Fähigkeit zuzuhören wird eher als gegeben vorausgesetzt (Kahlert, in Huber u.a. 2000). Dass man lernen muss zuzuhören, nachzufragen, sein Wissen nachfragenden Zuhörern darzulegen, wird weniger als pädagogische Aufgabe begriffen. Dabei verbringen die Kinder die meiste Zeit im Unterricht mit Zuhören - dem Lehrervortrag, dem Unterrichtsgespräch, der direkten Instruktion, den Mitschülern in der Partner- oder Gruppenarbeit (vgl. Imhof 2004).

Lehrpläne und Studienordnungen

Lehrpläne und Studienordnungen sehen bislang keinen Lernbereich "Zuhören" vor. Allerdings ist ein Umdenken ansatzweise zu erkennen.

Im neuen bayerischen Lehrplan für Grundschulen findet sich im Lernbereich Deutsch/Mündlicher Sprachgebrauch von der 1. bis zur 3. Jahrgangsstufe als pädagogisches Leitthema "Zuhören". Das Lernziel >>Einander erzählen und einander zuhören<< in der 1. und 2. Jahrgangsstufe wurde um den Aspekt >>Zuhören lernen<< erweitert, z.B. durch Hörbilder und Hörspaziergänge. In der 3. und 4. Jahrgangsstufe wird neu der Bereich des aktiven Zuhörens aufgeführt.

In Niedersachsen und Schleswig - Holstein hat eine neue Prüfungsordnung 1998 mit neuen Pflichtscheinen in Ästhetischer Bildung, Sprecherziehung und Medienerziehung eine Voraussetzung für die Etablierung von Hörästhetik in der Lehrerausbildung geschaffen, da in diesen Bereichen Hören ein Themenschwerpunkt sein kann. (vgl. Wermke in Huber u.a. 2000).

Unterrichtspraxis

Als pädagogische Aufgabe wird die Förderung des differenzierten Hörens vor allem im Musikunterricht wahrgenommen. Verschiedene aktuelle Untersuchungen, ein vierjähriger Schweizer Schulversuch oder die gerade veröffentlichte sechsjährige Berliner Langzeitstudie von Bastian, belegen positive Effekte einer Erweiterung des Musikunterrichts nicht nur auf das Hören und Zuhören, sondern auch auf das Unterrichtsklima und auf die sozialen Beziehungen in den beteiligten Schulklassen (vgl. Weber u.a. 1993; Spychiger, in Huber u.a. 2000, Bastian 2000).

Außerhalb des Musikunterrichts wird dem Hören im allgemeinen kein Eigenwert zugesprochen. Es gilt als Hilfsfunktion in mündlicher und schriftlicher Kommunikation und wird vor allem in seinen konvergenten Fähigkeiten wie Wiedererkennen und Genauigkeit gefordert (Wermke 1998, 15). Die Produktion von Texten steht im Vordergrund, die Rezeption hat kaum Gewicht.

Einsatz auditiver Medien

Der Einsatz auditiver Medien ist in der Schule im Vergleich zu visuellen Medien selten (Schill 1998:20 ff.). Zwar wurden die auditiven Medien seit ihrem Erscheinen als pädagogische Herausforderung betrachtet, es entwickelte sich parallel zum Schulfernsehen der Schulfunk, doch spiegelt sich in der Schulpraxis die Dominanz des Visuellen (Karst 1998).

So werden zum Beispiel Hörkassetten und CDs im Rahmen der Literaturvermittlung, der Lese- bzw. Sprachförderung nur wenig genutzt, obwohl die AV-Medien als Leitmedien für Kinder und Jugendliche gelten und eine große Akzeptanz besteht (vgl. Klingler / Schönenberg 1996; Horn 1996; Wermke 1999), Die Möglichkeiten der neuen digital-elektronischen Medien im Bereich der Ton- und Klangproduktion werden im Unterricht kaum wahrgenommen, weder im Sinne des Ausbaus eines breiten Spektrums von ästhetischen Ausdrucksformen noch im Sinne des fächerübergreifenden Arbeitens.

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