Praxis > Bildende Kunst

 

Um das Zusammenspiel von Sehen und Hören geht es im Baustein "Bildende Kunst''. Die Übertragung von akustischen bzw. musikalischen Ereignissen in visuelle Ausdrucksformen und umgekehrt die Beschäftigung mit dem Klang der Bilder dienen der Schulung von Auge und Ohr.

Bildende Kunst und Musik arbeiten mit gleichen Parametern, mit Form, Farbe, Fläche, Bewegung, Rhythmus. Es geht um Ordnungsprinzipien, um den Ausdruck von Gefühl und um eine Interpretation der Welt. Bilder wie Musik spielen mit Assoziationen und Erinnerungen, die die Wahrnehmung beeinflussen. Jedoch die zeitliche Darstellung ist unterschiedlich: Während ein Bild prinzipiell keinen Anfang und kein Ende hat und als Ganzes existiert, entsteht die Musik als Ganzes nur in der Zeit und ist als einzelne Aufführung unwiederholbar.

Die Darstellung der gleichen Elemente in unterschiedlichen Zeitformen, die Kombination von Dauerhaftem mit Verklingendem, von Sehen und Hören, macht die Besonderheit dieses Bausteins aus. Die Musik kann dabei einen Zugang zur abstrakten Kunst eröffnen. Auf der anderen Seite ermöglicht das Vertonen von Bildern einen Zugang zu moderner Musik.

Aktionen im Baustein Kunst

Der Klang der Bilder Theo van Duisburgs

4 Projektklassen (2. und 3. Jahrgangsstufe) brachten Bilder Theo van Duisburgs zum Klingen, im Rahmen einer Ausstellung im Museum Villa Stuck und unter Anleitung des Musikpädagogen und Klangkünstlers Michael Bradke.

Wie klingt gelb? Wie eine Spirale? Wie muss die Musik zu immer kleiner werdenden Quadraten, angeordnet in einer aufsteigenden Linie, sein? Die klingenden Antworten zu diesen Fragen können sehr unterschiedlich sein.

Angeregt durch diese musikalischen Bildbetrachtungen entstanden im Anschluss sehr kreative und phantasievolle eigene klingende Bilder.

Ideen aus dem Baustein Kunst

Die im Projekt GanzOhrSein erprobten Ideen für die Praxis werden im Frühjahr 2005 in der Reihe "Praxis Impulse'' des Westermann-Verlages veröffentlicht.

Einige Ideen und Überlegungen zu diesem Baustein finden Sie
hier (23 KB).

  • Formen und Farben in Klänge umsetzen, Klänge mit Formen und Farben gestalten: Wie klingt rund, wie gelb, wie sieht der Klang eines Xylophons aus? Klingt eine runde Trommel rund, klingen die Instrumente so, wie sie aussehen?
     
  • Zeichen für Klänge entwickeln, entweder nach der Klangfarbe (hell - dunkel), dem Verlauf des Klanges in der Zeit (von laut zu leise wie z.B. beim Gong) oder nach der Bewegung des Instruments (z.B. die "Kringel'' der Schlittenglocken)


In einem Bild aus diesen Zeichen stecken viele Kompositionen: Ein Kind dirigiert mit der Taschenlampe, d.h. es leuchtet die Zeichen an, die dann erklingen, entweder mit Instrumenten oder mit dem Mund. So kann man verschiedenen Gruppen die Aufgabe geben, aus den Zeichen in fünf Minuten eine Komposition zu entwickeln.  

  • aus bunten Tellern eine Improvisation ent"werfen'', d.h. die Teller zufällig auf eine Fläche werfen und so verteilen, oder komponieren, d.h. die Teller werden nach Regeln bewusst verteilt

 
Diese Tellerbilder können dann zum Klingen gebracht werden: Die Farben der Teller stehen für verschiedene Klänge oder Vokale, die Gruppe bestimmt eine Leserichtung (von oben nach unten, diagonal, von unten nach oben) und bringt die Tellerreihen entweder nacheinander oder gleichzeitig zum Klingen.

Beide Bilder und Ideen stammen aus der Ausstellung "boing Klangkörper'' des Klangkünstlers und Musikpädagogen Michael Bradke.

  • Mit Pinsel und Farbe zu Musik auf ein Blatt dirigieren
     
  • eine Klangkulisse zu Bildern erstellen: z.B. Pieter Breughel d.Ä. "Der Streit zwischen Fasten und Fastnacht'' 1559: Wie klingt er? (vgl. Wermke 2000)
     
  • Bilder zu Klanglandschaften gestalten: z.B. zu Szenen aus der CD "Welthören'' von Hansjörg Schmitthenner
     
  • Gestaltung einer Hörszene zu Bildern: z.B. Leonardo da Vinci "Abendmahl'', in Verbindung mit dem Deutschunterricht (vgl. Wermke, ebd.)
     
  • Erfinden (oder finden) von Musik zu Bildern: Wie klingt von Paul Klee "Revolution des Viadukts'' oder "Die Zwitschermaschine''? (vgl. Wermke, ebd.)
     
  • Bildhafte Notationsformen, z.B. von John Cage oder Karlheinz Stockhausen zum Klingen bringen und selber erfinden
     
  • Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung'' wieder in Bilder umsetzen
     
  • klingende Bilderbücher erstellen, d.h. Texte mit passenden Bildern und passender Musik gestalten; z.B. "Das kleine ich bin ich'' von Leo Leoni; "Fünfter sein'' von Ernst Jandl; "Der Regenbogenfisch'' von ???

Literaturtipps zu Kunst

Göltl, Reinhard: Klangfarben und Farbtöne. Über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Musik und Bildender Kunst

Matthies, Klaus (1998): Sehen und Hören. In: Polzin, M./Schneider, R./Steffen-Wittek, M. (Hg.): Musik in der Grundschule. Frankfurt a.Main, S. 94-110

Maur, K.v. (Hg.) (1985): Vom Klang der Bilder. Die Musik in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Ausstellungskatalog, Prestel, München

Metken, Güner (1995): Laut - Malereien. Grenzgänge zwischen Kunst und Musik, Frankfurt a. Main / New York / Paris

Motte-Haber, Helga de la: Musik und Bildende Kunst. Von der Tonmalerei zur Klangskulptur

Schulz, Frank (1996): Klänge aus Formen und Farben. Ein Karteikartensatz für den Kunstunterricht in der Primarstufe. In: Kunst und Unterricht, Heft 203 / 1996, S. 22 - 34

Wermke, Jutta (2000): Hörästhetik als Aufgabe der Medienerziehung im Deutschunterricht. In: Huber, L. / Odersky, E. (Hg.): Zuhören - Lernen - Verstehen, Westermann, Braunschweig, S. 123 - 136

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