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Baustein Hörclub

Mit dem Baustein "Hörclub'' werden in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk und der Stiftung Zuhören an Schulen Orte geschaffen, die zum bewussten Zuhören und zur Auseinandersetzung mit der eigenen und fremden Wahrnehmung anregen (siehe auch www.br-online.de/zuhoeren). In den Hörclubs soll Zuhören zum Vergnügen werden. Kinder können erfahren, dass das Zuhören bei qualitätsvollen Kinderhörspielen, Lesungen und anderen akustischen Angeboten innere Vorstellungswelten weckt, die Phantasie anregt und den Erfahrungshorizont erweitert.

Hörclubs bieten auch Gelegenheit zum aktiven "Hörenmachen'', zu eigenen kleinen Hörproduktionen. Durch die Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk ("Kinder machen Radio'') können die Kinder der Münchner Hörclubs mit professioneller Hilfe lernen, wie man Interviews, Umfragen und Beiträge herstellt.

Zu den Hörclubs ist im Rahmen des Projekts GanzOhrSein ein Film entstanden: Dem Hören Raum geben - Hörclubs an Grundschulen''. Zu beziehen ist er über die Unterrichtsmitschau der Ludwig-Maximilians-Universität München .

Die im Projekt GanzOhrSein erprobten Ideen für die Praxis werden im Frühjahr 2005 in der Reihe "Praxis Impulse'' des Westermann-Verlages veröffentlicht.

Was ist ein Hörclub?

Die Hörclubs sind ein Freizeitangebot an Schulen. Die Kinder können freiwillig und kostenlos teilnehmen. Die Treffen finden außerhalb des Unterrichts statt: zum Beispiel am Nachmittag oder im Anschluss an den Unterricht. Es gibt keinen Lehrplan, keine Vorgabe, wann, wo, was, und wie zu behandeln ist. Die Schule stellt einen Raum für den Hörclub zur Verfügung und der Verein Zuhören e.V. liefert ein umfangreiches Materialpaket mit Hörproduktionen und Spielanregungen. Betreut werden die Hörclubs in der Regel von Lehrerinnen oder Lehrern. Aber auch eine Betreuung durch die Eltern ist möglich. Die Kinder werden Clubmitglieder, bekommen einen Clubausweis und geben ihrem Club einen Namen (z. B. Ohrenbande, Icholuchse, Ohrenspitzer).

Die Beteiligten richten sich den Raum angenehm und bequem zum Hören ein. Eine Stereoanlage steht darin, damit Hörspiele und Hörgeschichten in akustisch guter Qualität gehört werden können. Weiter kann es ein Hör-Regal geben für Kassetten, CDs, Karteikarten, Bücher, Klanginstrumente, für Material zum Malen, Verkleiden und Spielen sowie ein Mikrofon und Aufnahmegerät eventuell auch ein Computer mit Schneideprogramm für kleine Hörproduktionen und zur Bearbeitung von eigenen Aufnahmen.

Die ersten Erfahrungen zeigen, dass Hörclubräume mit angenehmer Atmosphäre auch von anderen Lehrkräften für den normalen Unterricht genutzt werden, ebenso die sorgsam ausgewählten Hörspiele, Geschichten und Spiele und Materialien.

Wo gibt es Hörclubs?

Bei der Einrichtung der Hörclubs im Rahmen des Projektes GanzOhrSein konnten wir uns auf die Erfahrungen in Hessen stützen, wo 1999 auf Initiative des Hessischen Rundfunks und mit Hilfe des Vereins Zuhören e.V. im Rahmen eines Modellversuches an zehn Grundschulen Hörclubs eingerichtet wurden (vgl. Bernius u. a. 1999; Bernius 2001).

Im Münchner Raum konnten im Rahmen des Projektes GanzOhrSein an sieben Grundschulen Hörclubs eingerichtet werden. In diesen Hörclubs werden die Kinder von einer Lehrerin betreut. Bei den Anschaffungen der technischen Ausstattung konnten die Schulen - dank der Spende der Kinder- und Jugendstiftung der Stadtsparkasse München - finanziell unterstützt werden. Das Materialpaket mit Hörproduktionen und Spielanregungen der Stiftung Zuhören bildete in allen Schulen ein wichtiges Basismaterial.

Inzwischen gibt es an über 150 Grundschulen sowie an Kindergärten und Realschulen in Bayern Hörclubs. Und auch an bayerischen Gymnasien wird die Hörclubidee erprobt. Deutschlandweit wurden an ca. 300 Schulen in mehreren Bundesländern Hörclubs eingerichtet (Stand Dezember 2004). Das Einrichten eines neuen Hörclubs ist möglich über eine Kooperationsvereinbarung mit der Stiftung Zuhören, die den Schulen das Starter-Hörpaket mit 40 Hörspielen, einem Buch und zwei Klangoasen-CDs für 320 Euro dann zur Verfügung stellt.

Welche pädagogischen Ziele werden verfolgt?

aus dem Faltbaltt an die Eltern:

Zuhören

  • unterstützt das innere Vorstellungsvermögen, die Phantasie und inspiriert zu eigenem künstlerischen Ausdruck und Schaffen (Malen, Spiel, Bewegung)
     
  • fördert die Fähigkeit, sich in eine Geschichte, einen Sachverhalte, ein Geschehen oder in eine andere Person hineinzuversetzen
     
  • regt zum Gedankenaustausch und zum gegenseitigen Verstehen an und unterstützt das soziale Miteinander
     
  • unterstützt die Lösung von Konflikten
     
  • hilft, das Ohr aufzuschließen für die Klänge und Geräusche der Umwelt und stärkt das Unterscheidungsvermögen
     
  • ist Grundvoraussetzung für den kompetenten Umgang mit Computer und Internet
     
  • lässt die akustische Umwelt bewusst wahrnehmen und hilft das innere "akustische Gedächtnis'' aufzubauen
     
  • fördert die Konzentration und die Orientierung in einer komplexen Welt

Das Materialpaket der Stiftung Zuhören Der wichtigste Bestandteil des Materialpakets für die Hörclubs sind die Hörkassetten und CDs. So unterschiedlich die Hörproduktionen auch sind - von Bärengeschichten über Kinderkrimis bis zu Musikhörspielen - gemeinsam ist ihnen, dass sie mit großer Sorgfalt aus der kaum noch überschaubaren Vielzahl von Kinder-Produktionen von Verlagen und aus den Rundfunkanstalten ausgewählt sind. Es wurde vor allem auf eine hohe produktionstechnische und künstlerische Qualität und auf spannende, die Kinder ansprechende Geschichten geachtet. Außerdem sollen die Hörproduktionen zu eigenen Spielen und kreativen Aktivitäten anregen.

Da die Kinder in unterschiedlichem Alter und mit sehr unterschiedlichen Hör-Erfahrungen in den Club kommen, gibt es Produktionen für "Höreinsteiger'', für "Hörerfahrene'' und "Hörprofis''.

Zum Beispiel sind in dem Hörpaket enthalten:

  • Das Geheimnis der schwarzen Kassette, eine amüsante Detektivgeschichte um den Detektiv Dagobert Dünkelstein. HR
     
  • Pu der Bär: Ferkel trifft ein Heffalump , unnachahmlich gelesen von Harry Rowohlt und als Hörbuch des Jahres 1998 ausgezeichnet. Kein & Aber Records
     
  • "Gehen wir heim, kleiner Bär'', eine Bärengeschichte für die Kleinen. Jumbo Verlag
     
  • "Das Schloßgespenst von Saarbrücken'', eine gespenstische-abenteuerliche Zeitreise. Ohrwurm-Kinderhörspiele
     
  • "Wenn du da bist, sieht man nichts'', eine Geschichte über die Dunkelheit, die das Hören selbst zum Thema macht. HR/WDR/BR
     
  • "Tranquilla Trampeltreu, die beharrliche Schildkröte'', eine musikalische Fabel, erzählt von Michael Ende, Deutsche Grammophon Junior
     
  • "Kai aus der Kiste'', ein Kinderbuchklassiker um eine Kinderbande aus den 20er Jahren. Patmos Verlag

Außerdem gibt es Hörspiele zu bekannten Kinderbüchern wie beispielsweise "Ferdinand der Stier'' oder "Pettersson und Findus'' oder auch "Lieder aus der Stille'' von Dorothee Kreusch-Jakob und Lyrik zum Hören. Einen Überblick über den Inhalt des Materialpaketes finden Sie in dem Buch "Hörspaß"', herausgegeben von Volker Bernius und Mareile Gilles im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, in dem auch Anregungen zu Hör-Spielen und Erfahrungen aus Hörclubs weitergegeben werden.


weitere Materialien des Materialpakets
  • CD "Klangoase'': Die ungewöhnlichen Klänge dieser CD wurden extra für die Hörclubs zusammengestellt. Es bietet sich an, als Ritual zu Beginn oder am Ende eines Clubtreffens einen Klang daraus gemeinsam zu hören. Die CD kann bei der Stiftung Zuhören bestellt werden.
     
  • Zu den Kassetten und CDs gibt es das Buch "Hörspaß'', herausgegeben von Volker Bernius und Mareile Gilles im Verlag Vandenhoeck Ruprecht. Darin findet sich der Inhalt der Hörspiele in Kurzfassung sowie Anregungen, wie man mit diesem Hörspiel oder jenem Krimi aktiv umgehen kann, was man dazu malen kann, wie man die Geschichte weiter fortführen kann: aktive Spieltipps.
     
  • Das Buch enthält auch weitere Spieltipps (z.B. Sorgen abschütteln, Ohrenmassage, Hörmeditation, Papageien-Runde, Hörspaziergang, Klangschnitzeljagd ...) und Erfahrungen aus den Hörclubs.

    Beispiele (75 KB)

  • Anregungen für die Einrichtung des Hörclubs
     
  • Hörclubplakate
     
  • Betreuerhandbuch
     
  • Clubausweise
     
  • Faltblätter zur Information an die Eltern

Vorschläge für die Ausstattung des Hörclubraumes Der Raum sollte fürs Zuhören geeignet sein oder besonders dafür hergerichtet werden. Teppiche oder Wandverkleidungen können störenden Schall etwas reduzieren. In den meisten Clubs helfen die Eltern mit bei der Einrichtung, z. B. durch bequeme Sitzgelegenheiten wie Sofas oder Matratzen. Im folgenden einige - von uns ergänzte - Vorschläge des Vereins Zuhören e. V. für die Ausstattung des Hörclubs:
  • Dicke Matten oder Kisten: Um entspannt zuhören zu können, müssen sich die Kinder bequem einrichten.
     
  • Hör-Regal für Karteikasten, Kassetten, CDs, Bücher, Instrumente, Leerkassetten für eigene Aufnahmen und anderes
    Material für Aktivitäten: Malkasten, Papier, Material zum Basteln ....
     
  • Klangkoffer: alter Koffer, in dem Geräuscherzeuger jeder Art gesammelt werden (vom Regenrohr über die Rassel bis zur Plastiktüte).
     
  • Bilder, Plakate und Tücher zum Schmücken des Raums
     
  • Tücher zum Verkleiden/Anlegen von Rollen (etc.: Socken, Hüte, alte Brillen und Mäntel, Schals und andere Kleidungsstücke)
     
  • Hörclub Plakat des Vereins Zuhören und einer Freifläche, auf der die Kinder den Namen ihres Clubs eintragen können, sowie wichtige Termine und Notizen
     
  • Evtl. ein weiteres Plakat mit schematischer Darstellung des Gehörs, auf dem Grundwissen über den Hörvorgang und die Ausbreitung von Schall vermittelt wird
     
  • Stereoanlage
     
  • Mikrofon und Aufnahmegerät
     
  • Computer mit Schneideprogramm

 

Zu einzelnen Dingen können Kinder Patenschaften übernehmen, z. B. für die Kassetten, den Karteikasten, die Instrumente ...

Kinder legen die Regeln, die in diesem Raum gelten sollen, selbst fest und sammeln sie auf einem Plakat, das für alle sichtbar aushängt.

Material fürs Hörregal
  • Karteikasten mit Infos zu Hörkassetten und ergänzenden Spielanregungen
     
  • Empfohlene Hörkassetten
     
  • CD "Klangoase''
     
  • Klangkassetten und -CDs (z. B. Buckelwale, Welthören, ...) zum entspannten Nur-Hören oder die Kombination mit Eigenaktivität: Zu den Klangcollagen und "Soundscapes'' können die Kinder Bilder malen (z. B. Wale)
     
  • Eine Kassette mit Musik und Geräuschen zum Entspannen (z.B. Dorothée Kreusch-Jakobs "Lieder aus der Stille'', Patmos 1995)
     
  • Eine Kassette mit Gedichten (z. B. Gedichte von Joachim Ringelnatz: Ritze, Rotze, Ringelnatz, gesprochen von Otto Sander, Patmos 1996)
     
  • Eine Kassette mit Liedern zum Tanzen (z. B. Dorothée Kreusch-Jakobs Tanlieder, Patmos 1990 oder Musik, die die Kinder mitbringen)
     
  • Eine Liederkassette mit Textbuch zum gemeinsamen Singen
     
  • Karteikasten mit kleinen Geschichten und kleinen Hörspielszenen zum szenischen Lesen und Vertonen (leicht les- und sprechbar) und/oder Bücher mit Dialogen zum Nachspielen und Texten zum Selbervertonen
     
  • Klänge, von den Kindern hergestellt und mitgebracht (z.B. Klangdosen, Klangtaschen, Dinge mit besonderen Klängen, Beschreibungen von Klängen, die sie mit der Stimme oder dem Körper erzeugt haben, Bilder vergessener Klänge ... )

Ablauf der Hörclubtreffen

(aus: Bernius, Volker u.a. 1999, In: Rogge, Jan-Uwe; Rogge, Regine (Hg.): Zuhören macht Spaß. Reinbek bei Hamburg. S. 174 ff.)


Manche Betreuer der Hörclubs wollen eine ganz feste Struktur, andere verzichten auf einen ritualisierten Ablauf.

Mal sind es Phantasiereisen mit Meditationsmusik, eine Klangschale als Begrüßungssignal, der "Klang des Tages'', ein Spiel oder eine Ohrenmassege: Damit beginnen die Hörclubstunden. Zunächst sollen sich die Kinder auf den Hörclub einlassen, zur Ruhe kommen und locker werden. Der "Klang des Tages'' will das Interesse lenken auf die Phantasie und auf die Vorstellungskraft, die die (meist) unbekannten Geräusche und Klänge auslöden. Dabei ist zunächst nicht wichtig, ob die Kinder das Geräusch einer Rolltreppe erkennen können oder ob sie wissen, wie der Urwaldvogel heißt, der da singt. Wenn sich die Kinder über das, was sie gehört haben, austauschen, soll kein Wettbewerb entstehen, wer nun mit seiner Antwort "richtiger'' liegt.

Im Mittelpunkt der Hörclubstunde steht das Hörspiel, die von guten Sprechern vorgetragene Geschichte oder der spannend gemachte Krimi. Längere Hörstücke werden unterbrochen - Fortsetzung folgt beim nächsten Mal. Immer wird über das Gehörte gesprochen und diskutiert. Am meisten Spaß aber haben die Kinder an Aktivitäten wie Malen, Sich-Verkleiden, eine Geschichte nachspielen.

  

Aktives Zuhören im Hörclub - hier hat jeder seine eigene Hörhaltung: Das kann im Liegen sein, bequem auf Matratzen, das kann direkt vor dem Abspielgerät oder hinter dem Vorhang sein oder im Sessel: Jeder sucht sich den Platz aus, den dem er am besten aufnehmen kann. Ob stillsitzend oder in Bewegung: Die Kinder wissen selbst, wie sie zuhören wollen und wie sie dabei viel mitbekommen.

Das Hören findet in einem Freiraum statt, und das verbinden die Kinder mit positiven Erfahrungen. Durch aktives Zuhören werden auch weitere kreative Möglichkeiten herausgefordert. Ob beim Schreiben eines Hörspiels, bei Aufnahmen mit Kassettenrecordern und Mikrofon, beim Tanzen, Erzählen, Meditieren, Musizieren, Malen, Bewegen, Singen oder bei Entspannungsübungen: Alle Sinne sind mit im Spiel.

Hörspaziergänge, das Produzieren eigener kleiner Hörspiele oder ganzer Schulradiosendungen oder auch die Vorbereitung einer Aufführung mit dem "Dosenorchester'', wie hier (52 KB) von den Kindern beschrieben, haben wie andere Ideen der Kinder rund ums Hören einen Raum im Hörclub.

Eine Sendung über Erfahrungen mit den Hörclubs wurde ausgestrahlt bei Hessischen Rundfunk: "Was hören wir denn heute?'' - Hörclubs an Grundschulen (gesendet am 13.9.99 und 17.9.99). Die Sendung kann gegen eine Schutzgebühr von DM 20.- angefordert werden bei: Hessischer Rundfunk Bildungsprogramm, Volker Bernius , Bertramstraße 8, 60320 Frankfurt am Main, Stichwort: Hörclubs


Literaturtipps zu Hörclubs

Bernius, Volker; Ehlers, Renate; Gilles, Mareile (1999): "Was hören wir denn heute?'' Hörclubs an Grundschulen. In: Rogge, Jan-Uwe; Rogge, Regine (Hg.): Zuhören macht Spaß. Reinbek bei Hamburg, S. 162-178.

Bernius, Volker (2001): Spaß am Zuhören. Angebote zum Hören - Hörclubs an Grundschulen. In: Kahlert, Joachim; Schröder, Michael; Schwanebeck, Axel (Hg.): Hören. Ein Abenteuer. München, S. 108-117.

Bernius, Volker; Gilles, Mareile (Hg.) (2004): Hörspaß. Über Hörclubs an Grundschulen. Göttingen.

Dietze, Lena (2000): Soundscapes - Klanglandschaften. Soundwalks - Klangspaziergänge. Drei Projekte zum Zuhören. In: Huber, Ludowika; Odersky, Eva (Hg.): Zuhören-Lernen-Verstehen. Braunschweig, S. 92-103.

Ostermayer, Eva (2002): Hörkassetten - aber bitte mit Qualität. In: Sache - Wort - Zahl 30, Heft 43, S. 40 - 44.

Rogge, Jan-Uwe; Rogge, Regine (Hg.) (1999): Zuhören macht Spaß. Reinbek bei Hamburg.

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